Das ehemals französische Viertel

Die Engländer hatten ein eigenes Stück Land in Shanghai, auf dem sie bauen, wohnen und handeln konnten? Das wollten die Franzosen auch!

In den Folgejahren des Opiumkrieges traten die Franzosen in seperate Verhandlungen mit den chinesischen Behörden ein und gründeten 1849 eine eigene Enklave, die „Concession Francaise“. Diese 66 Hektar, zwischen dem englischen Bund und der Chinesenstadt gelegen, werden in den Folgejahren mehrmals ausgedehnt bis auf 1000 Hektar in 1914.

Die französische Konzession besaß kaum Industrie und war weitaus weniger geschäftlich geprägt als das 1861 von Engländern und Amerikanern gegründete „International Settlement“. Vielmehr entstanden hier neben vielen großzügigen Lilong-Anlagen eine Vielzahl westlicher Apartmenthäuser, prachtvoller Villen, imposanter Art-Déco-Bauten, einladender Gärten und Parks sowie Kirchen verschiedener Konfessionen. Die Franzosen förderten insbesondere die Verbreitung des katholischen Glaubens durch die Jesuitenmission.

Noch heute sind die Strassen im Sommer idyllisch von den damals eigens aus Frankreich importierten Platanen überschattet. Die ruhigen Strassen entlang schöner Gartenresidenzen, Cafés und kleiner Boutiquen boten vielen chinesischen Intellektuellen und Dissidenten ein Zuhause und laden heute wie ehemals zum Schlendern und Verweilen ein.

Bei einem Spaziergang durch das frühere französische Viertel werden Sie von Maja von dem Bongart in die Geschichte der ehemaligen Konzession eingeführt, können u.U. das rege Treiben beim chinesischen Frühsport im früheren französischen Park beobachten und einen Querschnitt der westlich beeinflussten Architektur von Reihenhausanlagen über Villen, Clubhäuser bis zu großen Art-Déco-Wahrzeichen der Stadt erleben.