TYPO SHANGHAI: Auf der Suche nach einem typografischen Shanghai 

Roman Wilhelm ist neben seiner Arbeit als Grafik-Designer und Lehrbeauftragter im Fach Schrift auch an Hochschulprojekten beteiligt, so zum Beispiel an dem durch die Pro Helvetia geförderten typografischen Forschungsprojekt „Koexistenz der Zeichen – Multilingual Typography“ der Zürcher Hochschule der Künste. Hierin dreht sich alles um das simultane Gestalten mit Schrifttypen chinesischer und lateinischer Herkunft. Einige Workshops in China finden statt, Buchpublikationen sind geplant.

Da liegt es nahe, auch im Rahmen der SHANGHAI-FLANEUR ein typografisch inspiriertes Projekt anzubieten. Shanghai kann als die Geburtsstätte moderner chinesischer Plakatwerbung bezeichnet werden. Ist in der Anfangszeit Reklame vorwiegend auf Marktschreierei beschränkt, steigt mit der wirtschaftlichen Entwicklung in den Konzessionen der Bedarf nach visueller Kommunikation, zunächst auf traditionellen Medien, dann ab ca. 1920 verstärkt durch Schaufensterdekoration, Lithografie und Buchdruck (Plakate, Zeitungen, Magazine).

Aus dieser Zeit stammen auch die sogenannten „Kalenderbilder“ mit Abbildungen oft westlich gekleideter chinesischer Schönheiten.

Schnitt. Shanghai ist 2007 wieder Weltstadt, hat die Entbehrungen der kommunistischen Zeit überlebt und präsentiert sich heute bunter denn je. Unzählige internationale Werbeagenturen tummeln sich in Pudongs Wolkenkratzern, und sogar alte Lilongs beherbergen mittlerweile schicke Designbüros. Die Globalisierung hat vor China nicht halt gemacht, und dennoch existieren in der modernen, das Stadtbild prägenden Werbelandschaft durchaus typisch chinesische Elemente. Der Vergleich zur Situation der 30er-Jahre ist tatsächlich relevant.

Vor diesem Hintergrund gestalten wir Workshops für Grafik-Design-Studenten und bieten das Projekt auch interessierten Personen aus allen Bereichen an.