Stadt-Exkursion für deutsche und chinesische Kinder zum Thema „Kulturelles Gedächtnis – Auf den Spuren von Juden in Shanghai“
Shanghai-Flaneur hat im Mai 2010 im Auftrag des DAAD (Deutschen Akademischen Austauschdienstes) eine Veranstaltung der DAAD-Reihe „Kinder-Universität“ gestaltet: Aufgabe war es, für 42 Kinder der deutschen Schule und mehrer chinesischer Schulen eine Erkundungs-Exkursion zum Thema „Kulturelles Gedächtnis – Auf den Spuren von Juden in Shanghai“ zu erarbeiten.
Shanghai war für viele vor dem Nationalsozialismus fliehenden deutschen und europäischen Juden die einzige und letzte Hoffnung, dem Terror des Naziregimes zu entkommen. Es war der einzige Ort auf der Welt, der ohne Visumszwang jüdischen Flüchtlingen Zuflucht gewährte. Bis Ende 1941 fanden ungefähr 18.000 Juden ein vorübergehendes Exil in Shanghai.
Die Exkursion startete mit einer „Vorlesung“ in der Synagoge: zunächst ging es um die Fragen „Wer waren überhaupt die Juden, und was ist das Judentum?“ und „Was war überhaupt zu jener Zeit geschichtlich los in Shanghai?“. Mit Hilfe von historischen Fotos gab es im Anschluss an die Referate in Gruppenarbeit Gelegenheit die Inhalte zu vertiefen. Am Nachmittag war „Feldforschung“ angesagt:
In 3 Gruppen, die mit drei unterschiedlichen Medien ausgestattet waren – Fotoapparaten, Zeichenbrettern und Stiften, und Journalisten-Notizbüchlein - begannen die Kinder ihre Spurensuche. Mehrere Orte im ehemaligen jüdischen Viertel waren Stationen der Erkundung, u. a. das ehemalige Ward-Road-Heim, Little Vienna, der Huoshan Park. Auch das Haus eines deutschen Juden, der als Kind in Shanghai aufwuchs, Peter Finkelgrün, konnten die Kinder besuchen. Highlight des Tages war die Begegnung und Gelegenheit zum Interview mit einem Zeitzeugen, Jerry Moses, der 1941 als Siebenjähriger mit seiner Familie mit der transsibirischen Eisenbahn von Breslau nach Shanghai fliehen musste, und der die Kinder mit seinen lebhaften Erzählungen sichtlich in den Bann zog und berührte.
Der dritte Teil dieser Erkundungs-Exkursion fand an der Deutschen Schule Shanghai statt: Die Kinder erarbeiteten auf Stadtplänen des jüdischen Viertels ihre eigenen „Gedächtnis-Karten“: Es entstanden sechs beeindruckende Collagen jeweils mit Fotos, Texten in Sprechblasen und Zeichnungen. Das Projekt fand 2-sprachig in Deutsch und Chinesisch statt.
Auf Wunsch kann Shanghai Flaneur diesen für Kinder didaktisierten Spaziergang zum jüdischen Viertel jederzeit für weitere Kindergruppen durchführen.
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